Beziehung zum Kind

Zwischen Festhalten und Loslassen

„Solange deine Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie größer werden, schenk‘ ihnen Flügel“ – Khalil Gibran

In einer tiefen Beziehung müssen Eltern und Kinder gleichwertig sein. Dies heißt nicht, dass Erwachsene ihre Führung abgeben sollten. Kinder kommen zwar mit viel Weisheit, aber wenig Erfahrung zur Welt. Sie brauchen eine kontinuierliche Begleitung in einer Atmosphäre, in der sich jeder frei entfalten kann. Wichtig ist dabei ein guter Austausch im Gespräch. Für Kinder ist es wesentlich, wenn Eltern wahres Interesse an ihrem Leben haben und herausfinden wollen, wer ihr Kind wirklich ist.

Sie müssen spüren, dass sie richtig sind, genauso wie sie sind. Nur so ist eine Entwicklung nach ihren Talenten und Charaktereigenschaften überhaupt erst möglich.

Für die Eltern ist Erziehung so gesehen ein ständiges Austarieren zwischen Festhalten bzw. Einhalten gewisser Grenzen, die Kinder unbedingt benötigen und einem Loslassen der eigenen, aus der Kindheit geprägten, Vorstellungen. Eine Aufgabe, die Eltern oftmals an ihre Grenzen bringt.

In den ersten Lebensjahren sind es vorwiegend Bedürfnisse wie Sicherheit, Halt und Grenzen, die Kinder benötigen um Urvertrauen zu entwickeln und ein gutes Bild von, sowie eine wertfreie Sicht auf sich selbst und Vertrauen in ihr engeres Umfeld zu entwickeln. So entstehen ihre Wurzeln, die wichtig sind für schwierige Lebenslagen in der Zukunft und auch als Basis dienen.

Später geht es darum, loszulassen und darauf zu vertrauen, dass in den letzten Jahren eine Bindung entstehen konnte, die die Kinder stark genug für ihr eigenes Leben gemacht hat und dass sie nun alles in sich tragen, um auch intensive Phasen gut meistern zu können. Nach wie vor benötigen sie aber den Rückhalt der Eltern und das Wissen, dass die Türe für sie stets offen bleibt.

Eltern fungieren demnach während der gesamten Kindheit und noch darüber hinaus als Leuchtturm, der regelmäßig klare Signale aussendet, um dem Nachwuchs Orientierung zu geben.

Gelingt es den Eltern in den verschiedensten Entwicklungsphasen der Kinder ihren Erziehungsauftrag immer wieder zu reflektieren, zu adaptieren und an die Bedürfnisse des Kindes anzupassen, entsteht eine tiefe, innige Beziehung, die ein Leben lang anhält.